mit Ulrich Irnich & Markus Kuckertz
Shownotes
In Folge 88 des Digital Pacemaker Podcasts diskutieren Uli und Markus mit Gordian Braun von ElevenLabs über die Zukunft von Audio-KI, warum Sprachinteraktion das nächste große Interface ist, Unternehmertum in Europa und welche Unterschiede zwischen Gründungen in Deutschland und den USA bestehen.
Vernetzt Euch und diskutiert mit:
- Gordian Braun: https://www.linkedin.com/in/gordianb/
- Ulrich Irnich: https://www.linkedin.com/in/ulrichirnich/
- Markus Kuckertz: https://www.linkedin.com/in/markuskuckertz/
© Digital Pacemaker Podcast 2026
Zusammenfassung
In dieser Episode des Digital Pacemaker Podcasts sprechen wir mit Gordian Braun, einem erfahrenen Unternehmer und derzeitigen Teil des Führungsteams bei Eleven Labs, einem führenden Unternehmen im Bereich Audio-KI. Gordian bringt eine Vielzahl an Erfahrungen mit, die er in seinen unternehmerischen Abenteuern in Deutschland und den USA gesammelt hat. Wir beginnen mit einem tiefen Blick auf das Lernen und die Umsetzung von Ideen, wobei Gordian betont, dass die eigentliche Herausforderung nicht darin besteht, Ideen zu haben, sondern diese auch umzusetzen. Das Machen wird als eine essentielle Fähigkeit hervorgehoben, die besonders in Deutschland und Europa ausgebaut werden sollte.
Ein zentrales Thema unserer Diskussion ist die revolutionäre Wette von Eleven Labs auf sprachbasierte KI-Technologien. Gordian erklärt die Vision hinter der Nutzung von Audio-Technologie und wie diese den gesamten Menschen-Maschinen-Interaktionsprozess transformieren wird. Die Entwicklung einer Agentenplattform, die die Kundeninteraktion durch sprachbasierte Kommunikation revolutioniert, wird als Beispiel angeführt. Gordian betont, dass die Fähigkeit, mit Maschinen zu kommunizieren, wie man es auch mit anderen Menschen tut, in Zukunft entscheidend sein wird.
Wir setzen unsere Unterhaltung fort, indem wir Unterschiede zwischen dem Unternehmertum in Deutschland und den USA beleuchten. Gordian thematisiert die Herausforderungen, mit denen Gründer in Deutschland konfrontiert sind, wie langwierige bürokratische Prozesse. Er hebt hervor, dass die USA eine viel dynamischere Gründerkultur bieten, die mehr Raum für Innovation und Marketing bietet. Diese Diskrepanz hat Auswirkungen auf die Fähigkeit, Talente zu halten und zu fördern, was laut Gordian auch die Euro-Zukunft der Technologieentwicklung beeinflusst.
Ein weiterer kritischer Punkt unserer Unterhaltung ist die aktuelle Situation von KI und Technologie in Europa. Gordian argumentiert, dass viele Menschen sich der technologischen Möglichkeiten, die KI bieten kann, nicht bewusst sind und dass Europa Gefahr läuft, als bloßer Nachzügler in der globalen Technologiearena zu fungieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen europäische Unternehmen mutigere Entscheidungen treffen, schneller handeln und innovative Ansätze annehmen. Die Herausforderungen sind besonders groß, weil Europa sich kulturell und strukturell von der schnelllebigen technologischen Entwicklung abstrahieren muss.
Am Ende der Episode fasst Gordian zusammen, dass es dringend notwendig ist, nicht nur Ideen zu haben, sondern auch effizient und entschlossen zu handeln. Er appelliert an die Zuhörer, die Bequemlichkeit zu überwinden und aktiv den Wandel mitzugestalten, denn nur so kann Europa im internationalen Wettbewerb bestehen. Die Episode schließt mit einer Diskussion über die Rolle der KI in der Zukunft des Unternehmertums, kombiniert mit einem Aufruf, den Mut zur Veränderung zu haben und Entscheidungen schneller zu treffen.
Transkript
Gordian Braun:[0:00] Wir sind als Gesellschaft einfach wahnsinnig bequem geworden und das ist das
Gordian Braun:[0:04] Machen, was Uli anspricht. Es ist was ganz anderes, ob man eine Idee hat und ich gehe oft in Gespräche, in Konversationen, wo Leute sagen, oh, die Idee hatte ich auch schon mal oder ich erzähle dir nicht, was ich so im Kopf habe, weil du könntest mir ja klauen oder sowas. Lasst mich euch eines alles sagen. Eine Idee hat jeder und Gedanken hat jeder und eine Meinung hat auch jeder. Aber die Meinung umzusetzen und mal was zu machen, das ist das, was wir brauchen. In Deutschland besonders, aber insgesamt in Europa. Und wenn wir mehr von den Leuten bekommen, die einfach mal machen, ich glaube, dann wäre uns schon sehr viel geholfen.
Markus Kuckertz:[0:52] Herzlich willkommen beim Digital Pacemaker Podcast mit Uli Irnig und mit mir Markus Kuckers. Lieber Uli, ich begrüße dich.
Ulrich Irnich:[0:58] Herzlichen Dank, lieber Markus. Ich grüße dich auch.
Markus Kuckertz:[1:00] Wir wollen heute darüber sprechen, nämlich über die Frage, ist Entrepreneurship die wichtigste KI-Kompetenz? Unser heutiger Gast ist Gordian Braun von Eleven Labs, dem weltweit führenden Unternehmen für Audio-KI. Eleven Labs wird aktuell mit 11 Milliarden Dollar bewertet. Gordian ist Serial Entrepreneur durch und durch. Seit er 16 ist, gründet ihr Unternehmen sowohl in Deutschland als auch in den USA. Er wurde in den renommierten Y-Combinator aufgenommen, hat ein Unternehmen verkauft, danach Digital Transformation-Beratung für Konzerne wie BMW gemacht und war im Private Equity-Bereich für Skalierung und Growth verantwortlich. Vor knapp einem Jahr hat er sich dann entschieden, bei Eleven Labs einzusteigen, also beim Marktführer für Audio-KI, der die Art und Weise revolutioniert, wie wir über Technologie interagieren werden. Oder auch jetzt schon interagieren. Nicht mehr über Text, sondern über Sprache. Lieber Gordian, herzlich willkommen im Digital Pacemaker Podcast.
Gordian Braun:[1:51] Moin Markus, moin Uli, freut mich dabei zu sein.
Markus Kuckertz:[1:55] Gordon, wir haben uns natürlich vorab mit dir beschäftigt und haben auch unsere drei Themenblöcke für dich herausgearbeitet.
Markus Kuckertz:[2:00] Wir wollen über Elevenlabs sprechen und zwar hinter die Vision der Audio-KI schauen. Was, wenn die nächste Generation von KI nicht mehr textbasiert ist, sondern sprachbasiert? Elevenlabs hat genau auf diese Wette gesetzt und bedient heute 75 Prozent der Fortune 500 Unternehmen. Wer die Zukunft der Mensch-Maschinen-Interaktion verstehen will, muss über Audio nachdenken. Dann wollen wir über Gründertum und Entrepreneurship sprechen, nämlich über das Gründen in Deutschland im Vergleich zu den USA. Ein Unternehmen in Deutschland zu gründen, ist ein Abenteuer, aber nicht immer im positiven Sinne. Wer den direkten Vergleich mit den USA kennt, sieht die Unterschiede in der Gründerkultur schmerzhaft deutlich. Die Frage ist, was muss sich ändern, damit Europa nicht nur Talente exportiert, sondern selbst Champions hervorbringt. Und wir wollen über AI und Tech in Europa sprechen. Welche Europa hängt technologisch hinterher? Das ist kein Geheimnis. Aber wie weit genau, ist vielen nicht bewusst. Zwischen den positiven Möglichkeiten, zum Beispiel KI-gestützte Pflege und den harten Fragen der Arbeitsmarkttransformation, liegt ein Spannungsfeld, das Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen betrifft.
Markus Kuckertz:[3:06] Lieber Uli, du hast mal das Hashtag, weil machen krasser ist, geprägt und heute sprechen wir darüber, warum genau dieses Machen, also echte Gründererfahrung, vielleicht die wichtigste Kompetenz im Umgang mit künstlicher Intelligenz ist. Du begleitest Unternehmen bei der digitalen Transformation. Wie oft erlebst du, dass KI-Strategien genau daran scheitern,
Markus Kuckertz:[3:26] dass zu viel diskutiert und zu wenig einfach gemacht wird?
Ulrich Irnich:[3:29] Ziemlich häufig. Also ich sage mal, nicht nur zu viel diskutiert, auch zu viel niedergeschrieben, zu viel theoretisiert. Und die meisten guten Dinge kommen eigentlich raus, wenn Teams anfangen, experimentell zu lernen, das heißt, Dinge auszuprobieren, zu verbessern, zu adaptieren und gleichzeitig logischerweise, natürlich immer mit Voraussetzungen, dass Grundlagen da sind, aber immer dann vorausgesetzt, dass die Teams daraus logischerweise adaptieren. Und ich meine, OpenAI, ChatGPT war auch kein Produkt, was irgendjemand runtergeschrieben hat und dann hoffen wir mal, dass das kommt, sondern war auch ein Ergebnis von Experimental Learning und ein Zufallsergebnis, wie so häufig gute, große Erfindungen Zufallsergebnisse sind. Und ich will das nicht jetzt dem reinen Zufall überlassen, sondern eher der Frage, wie Teams lernen und sich gegenseitig logischerweise stärker machen, indem sie halt ihre Erfahrungen austauschen und halt adaptieren. Und davon kommt das her. Und deswegen ist halt auch, weil Machen einfach krasser ist, so das Grundkredo, weil du wirst nicht schlauer mit den Dingen, die du schon weißt, sondern du musst halt gewisse Dinge halt auch ausprobieren und dann halt auch darüber zu lernen. Gordian, ich komme jetzt mal ein bisschen zu dir rüber und sage, okay, guck mal, Gründer, Unternehmer, hat eine ähnliche Vision wie Eleven Labs. Eigentlich bevor du zu Eleven Labs gegangen bist, warst du eigentlich auf dem Weg, dein eigenes Unternehmen zu gründen. Was hat dich denn davon abgehalten?
Ulrich Irnich:[4:58] Warum bist du jetzt den anderen Kurs gegangen, um ganz ehrlich zu sein?
Gordian Braun:[5:02] Ja, also ich glaube, das ist schon eine sehr berechtigte Frage. Die kurze Antwort ist, glaube ich, weil ich einfach drei von diesen Unternehmen vorher hatte, mal mehr und mal weniger erfolgreich und ich zu diesem Zeitpunkt, an dem ich darüber geliebäugelt habe, ein ähnliches Unternehmen zu Eleven Labs zu gründen, das war 2020, Ende 2020 müsste das gewesen sein, einfach ehrlich gesagt auch nicht mehr die Kraft hatte, nachdem ich gerade aus dem Unternehmen kam, was ich damals hatte. Was aber interessant zu sehen ist, und das ist vielleicht eher das, was auch mit deinem Motto, weil machen krasser ist, folgt. Das, was ich damals hatte, die Idee ist, ich habe damals Squid Game geguckt auf Netflix. Das war eine koreanische Show und die war einfach wahnsinnig schlecht übersetzt, was die Lippensynchronisierung anging. Und das hat mich so angekotzt, dass ich kurz nach meinem Unternehmen, was ich damals dann, das war ein Unternehmen, was ein Y-Kombinator war. Also nachdem ich da fertig war,
Gordian Braun:[6:03] Kurz danach hatte ich diese Idee dazu und war da auch in einem Accelerator aufgenommen worden. Und es war eigentlich relativ interessant, weil das Gros der Leute hat nicht gesehen, wovon ich da rede. Dass man mit KI perfekte Lippensynchronisierung machen könnte. Und es gab ein paar, die das gesehen haben. Nach zwei Wochen wurde ich schon eingeladen von Netflix nach L.A. Und da haben wir eigentlich relativ schnell dran gesehen, oh, das könnte was werden. Und ich bin dann auch tatsächlich nach Amerika geflogen. Long story short, es war ein Accelerator-Programm, wo man mit Co-Foundern zusammengeführt wurde und in diesem Fall hat es einfach nicht gepasst mit dem Co-Founder. Nicht, weil wir uns nicht mochten, sondern weil er versucht hat, wieder zurück zur Research zu gehen. Er war nämlich ein Machine Learning Engineer und er wollte einfach lieber forschen, als in einem Startup-Belt zu sein. Und da bist du halt dann auch wieder in genau deinem Satz. Manche Leute können einfach besser research und machen auch besser das Ding und andere halt lieber das machen. Hätte ich gemacht, dann wären wir vielleicht heute 11labs. Dubstage hieß das Ding, aber so bin ich auch froh, dass ich halt trotzdem bei 11labs gelandet bin, denn auch so ist es ein tolles Unternehmen, für das ich ja jetzt auch Teil sein kann.
Markus Kuckertz:[7:11] Wenn wir jetzt mal auf 11 Labs schauen, dann ist ja bei so einem Startup immer die goldene Frage, was genau machen die denn eigentlich und welches Problem löst ihr denn, was vorher denn gar nicht lösbar war und woher kommt dann auch diese eben sehr große, massive Bewertung zustande?
Gordian Braun:[7:26] Das ist eine sehr komplexe Frage, weil wir mittlerweile zwar erst drei Jahre alt sind, aber so viel machen. Aber ursprünglich kommen wir aus dem gleichen Gedanken. Lippensynchronisierung ist schlecht und es muss doch besser sein. In dem Fall waren die Gründer nicht deutsch wie ich, sondern polnisch und die haben noch sehr viel schlechtere Lippensynchronisierung. Und auf dem Weg zu diesem Ziel der perfekten Lippensynchronisierung ist den Gründern eben aufgefallen, dass es an den Grundlagen in der AI-Welt alles rund um Audio scheitert. Das ist die Transkription von Text. Das ist die Synthese von Text, also einen digitalen Text als Sprache auszugeben. Das ist das Verbinden von Textelementen, sodass du es überhaupt ausgeben kannst und so weiter. Und das ist im Grunde genommen das, was jetzt Eleven Labs ist. In erster Linie eine Research Company, die diese ganzen führenden Modelle der Audio-KI entwickelt hat und da Marktführer ist. Und jetzt, ähnlich wie OpenAI auf textbasierenden Modellen lange Marktführer war, vielleicht auch noch ist,
Gordian Braun:[8:26] Jetzt da Produkte drauf aufbaut. Und eines der bekanntesten Produkte ist die sogenannte Agents-Plattform. Das ist Kundeninteraktion. Das heißt, man kann mit einem Eleven-Lab-System so kommunizieren, als würde man mit einem Menschen kommunizieren. Und das ist natürlich besonders hilfreich, wenn man irgendwie seinen verspäteten Flug ändern muss oder mal wieder ein Flug ausgefallen ist oder die Bahn mal wieder einen auf Gleis 10 steckt, anstatt von zwei, wo man eigentlich starten sollte. Und das sind natürlich diese Themen, wo man momentan aus Kostengründen oft gar keine Mitarbeiter hinfällt, davor schalten kann, was man auf einmal machen könnte, würden diese Unternehmen Eleven Labs benutzen. Und das tun ja viele von denen auch.
Markus Kuckertz:[9:03] Also das heißt, ihr setzt auf die These, dass die nächste KI-Ära sprachbasiert sein will und eben nicht textbasiert. Was macht dich denn da so sicher? Und woher kommt denn deine tiefe Überzeugung, dass Voice das neue Interface wird?
Gordian Braun:[9:16] Naja, weil wenn wir mal gucken, was die natürlichste Art und Weise ist, wie wir kommunizieren, dann ist die nicht, oh, ich hole mal kurz eine Tastatur raus, Und tipp mal ein, was ich gerne hätte und guck mal, ob der Computer das versteht, was ich da möchte, sodass ich wieder irgendwas zurückkriege. Die Art und Weise ist natürlich so, wie wir das jetzt gerade machen. Wir reden. Und was halt bisher gefehlt hat, ist das Verständnis von dem,
Gordian Braun:[9:41] was wir hier tun und was wir damit meinen. Empathie, nicht nur das Transkript an sich. Und deswegen bin ich fest davon überzeugt, je mehr man persönliche Interaktionen durch Audio in so einen Workflow bekommt, desto besser wird das für uns alle, denn wir bekommen schneller das, was wir eigentlich wollen. Ja, das glaube ich uns auch. Da bin ich auch ein großer Fan von,
Ulrich Irnich:[10:04] Weil du siehst ja jetzt auch so ein bisschen, wie sich Mensch-Maschinen-Interfaces verändern. Also man sieht das jetzt auch an den autonomen Autos. Woher hat sie noch einen Sitz mit dem Lenkrad drin? Der ist jetzt weg. Jetzt ist das eigentlich nur noch ein Fahrraum oder ein Fahrgastraum, wo du dich heim bewegen kannst. Und deine Steuerung läuft über die App und idealerweise über Voice. Und also daher glaube ich halt, vor allen Dingen kann ich damit halt auch Sprachbarrieren, die ich in der Vergangenheit hatte, nämlich auch verschiedene Sprachen, dass Menschen aus unterschiedlichen Geografien plötzlich miteinander reden können, total einfach überbrücken. Also deswegen bin ich auch felsenwürdig der Meinung, dass nicht die Tastatoren, die Maus, unser natürlicher Kommunikationsweg ist, sondern Sprache.
Gordian Braun:[10:48] Und man sieht das übrigens auch, wenn man jetzt mal guckt. Klar kann man uns für jede Menge Business-Anwendungen nutzen, aber vielleicht jetzt auch mal zu einem guten Zweck. Es gibt eine schreckliche Nervenkrankheit, ALS heißt die. Und wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir den Leuten ihre Stimme wieder zurückgeben, denn die verlieren die durch diese Krankheit. Und da gibt es jetzt wirklich Menschen, die alleine durch unsere Projekte jetzt wieder reden können oder wieder singen können oder einfach wieder eine Stimme zurückbekommen, was einfach vor ein, zwei Jahren weit weg von möglich war.
Markus Kuckertz:[11:19] Uli, wenn wir an Kundenservice denken, zum Beispiel Telekom, Lufthansa oder Allianz, dann haben wir natürlich ja so ein gewisses Gefühl, was wir da vielleicht mitnehmen. Was glaubst du, wie sich das Ganze durch Voice-KI verändern wird? Welche Erwartungen werden den Kunden da an Unternehmen haben, wenn wir so einen Schritt jetzt gehen?
Ulrich Irnich:[11:37] Also grundsätzlich ist eins zu beobachten, dass die Adaptionsgeschwindigkeit in der Nutzung solcher Technologien phänomenal zugenommen hat. Also in der Vergangenheit war es ja immer so, sagen Sie eins für Hilfeservice bei Räderwechsel, sagen Sie zwei und dann kann man irgendwie, ich kann sie nicht verstehen. Und mittlerweile, das ist ähnlich wie bei autonomen Fragen, wenn du das ein, zwei, dreimal gemacht hast, adaptierst du es schneller. Du willst ja am Ende des Tages nichts anderes, als dass dir in der Situation geholfen wird.
Ulrich Irnich:[12:09] Du möchtest halt dein Anliegen loswerden und grundsätzlich, wenn es komplexe Anliegen sind, versuchst du die zu beschreiben, weil alle Möglichkeiten, ich schreibe das in den Text rein, in den Fehlerbild und so weiter und das braucht es scheitern. In dem Moment, wo ich aber auch über KI Agenten habe, der auf meine Sprache reagieren kann, die versteht, übersetzen kann und daraus Entscheidungen und Aktionen ableiten, ist mir das eigentlich Wumpe. Weil ich möchte am Ende des Tages ja, dass mein Problem gelöst wird. Ich glaube halt, dass das mehr und mehr der Zug ist, der sich gerade bewegt. Und bisher sind halt gerade so digitale Transformationen an Kanalunreinheiten gescheitert. Also Store hat einen anderen Kanal als ein Chat, einen anderen Kanal als eine App, ja, und das muss ja irgendwie synchronisiert werden und so hingemacht werden, dass es dem Kunden weiterhilft in seiner Problemstellung. Also daher glaube ich, dass diese Reise, Callcenter in Anführungszeichen, dass die mehr und mehr auch KI unterstützt werden, ja, und KI geführt werden, gerade dann, wenn du intelligente Sprachroboter hast, die mit dir arbeiten, interagieren, ich nenne sie jetzt mal so, um ein Problem zu lösen, dann ist das, dann wirst du sehen, und das sehen wir halt auch gerade bei Unternehmen, die das einsetzen, dass der NPS, also der Net Promoter Score, also die Kundenzufriedenheit, einen steigt.
Gordian Braun:[13:33] Der teilweise sogar komplett durch die Decke geht. Also wir haben Unternehmen wie Klarna, Revolut, Deutsche Telekom und so weiter, bei denen der NPS wahnsinnig nach oben geht. Und ich meine, woran liegt es? Also wir haben keine Warteschlangen mehr von 40 Minuten. Unsere durchschnittliche Response-Time sind 0,5 Sekunden. Mir hat eben, gerade bevor ich hier in diese Aufzeichnung gekommen bin, hat mir ein Kollege gesagt, was ihm am allermeisten nervt, so an Message. Dann hat er mit diesem Satz gesagt, Stop telling me my call is important to you, I’m still on hold. Und ich glaube, das sagt so viel über die Wahrheit. Du kannst nicht auf der einen Seite als Unternehmen deinen Kunden erzählen, sorry, wegen hoher Auslastung bist du jetzt gerade in der Warteschlange, aber du bist super wichtig für uns. Und auf der anderen Seite lässt du die Leute 40 Minuten warten, um dann nicht mit der richtigen Lösung zu kommen. Und wenn du deine ganzen Systeme so verbinden kannst, dass du eben sofort drangehen kannst, sofort mit der Lösung kommst, dann bist du natürlich glücklicher. Und vielleicht um deine Frage mal weiter zu spinnen, wozu das führen wird, das wird dazu führen, dass all die Unternehmen, die so eine Lösung nicht anbieten werden, das Hintertreffen haben werden. Denn das wird der Status Quo und die Norm werden in der Zukunft. Und wenn du da noch irgendjemanden der Warteschlange warten lässt,
Gordian Braun:[14:44] dann werden die Leute zur Konkurrenz gehen.
Markus Kuckertz:[14:45] Und speaking of schnelle Reaktionszeiten, lass uns zum Thema Gründertum und
Markus Kuckertz:[14:50] Entrepreneurship wechseln. Du hast ja in Deutschland und in den USA gegründet und wenn du das nochmal vergleichst, was sind die größten Unterschiede, die dir dabei aufgefallen sind und wo reibst du dich denn bis heute, wenn du vor allem an das Gründen in Deutschland denkst?
Gordian Braun:[15:06] Also ich glaube, die größten Unterschiede sind Pragmatismus und Marketing. Beides haben wir nicht in Deutschland. Die Amerikaner haben ein Riesentalent, ihr oft auch minderwertiges oder vielleicht nicht ganz so gutes Produkt zu verkaufen und es so zu verkaufen, dass selbst wir Europäer denken, das Produkt wäre das allerbeste in der Welt. Und ja, ich glaube, das ist der größte Unterschied. Und dann, was natürlich den deutschen Rechtsrahmen angeht, also ich habe mir schon mehrfach geschworen, nie wieder eine GmbH oder irgendeine Gesellschaft hier in Deutschland aufzumachen. Also sorry, wenn ich neun Monate brauche, bis ich mal beim Notar war, dann alles dokumentiert wurde, im Handelsregister eingetragen bin und dann endlich eine Steuernummer bekomme, um dann eine Kartenzahlung zu akzeptieren. In den neun Monaten bin ich woanders schon, wo ganz anders.
Markus Kuckertz:[15:51] Lass uns über KI und Technologie in Europa sprechen. Du sagst, es ist oft gar nicht bewusst, wie weit KI schon geht. Wo siehst du denn den größten Unterschied zwischen dem, was technologisch möglich ist und dem, was in Europa tatsächlich umgesetzt wird?
Gordian Braun:[16:07] Also wir befinden uns in der Situation, wo viele von uns noch ganz hemmzärmlich glücklich damit sind, wenn wir irgendwo bei ChatGPT einen Prompt eingeben können. Und damit sagen wir dann, wir sind ganz weit vorne mit KI und wir nutzen KI. Wenn man mal guckt, wo besonders meine amerikanischen Kollegen, die schon unterwegs sind, die geben kein Prompt mehr bei JGPT ein. Die prompten ihre Tasks und ihre Workflows und dann gibt es komplette Roboter, die im Hintergrund fungieren und die Arbeit übernehmen, die nicht teilweise Tage dauern würde. Ich nehme euch mal ein Beispiel. Ich mache gerade eine relativ große Kampagne für Eleven Labs, die europaweit geht. Europaweit heißt sehr viele verschiedene Sprachen, sehr viele verschiedene unterschiedliche Anbieter, mit denen man da interagieren muss. So, jetzt habe ich einen Bot im Hintergrund, der das alles orchestriert. Der stellt mir die Angebote zusammen, der standardisiert mir die Angebote, der verhandelt die Angebote und der bereitet mir das alles so sauber auf, dass ich das alles ganz einfach in einer Excel-Tabelle sehen kann, was da gerade wie passiert. Ich habe die volle Kontrolle darüber, aber die gleiche Task würde mich wahrscheinlich mehrere Wochen dauern mit mehreren Leuten, um das manuell zu machen. Und deswegen sage ich, wir sind viel weiter, als viele das denken. Und das heißt aber auch, es wird noch viel schneller und geht noch viel weiter. Da kommt eine Riesenrevolution auf uns alle zu, was AI angeht.
Ulrich Irnich:[17:27] Ja, kann ich nur bestätigen. Meine Slackbots sind mittlerweile Top 15 angewachsen, die im Prinzip schon mal die ganze Termin-Pornation und Co. Machen. Ja, also deswegen sage ich, das Agente Enterprise ist nicht irgendwie eine Vision, sondern es ist da. Und die Frage ist halt nur, wie schnell kann ich adaptieren? Das ist nicht eine Frage von, macht das denn oder macht das keinen Wünschen? Sondern es ist die Frage, wie schnell bist du in der Lage, das zu adaptieren?
Gordian Braun:[17:55] Wie schnell bist du in der Lage zu adaptieren? Und da sind wir wieder bei der deutschen Kultur, dass wir sehr bedacht drauf sind, immer datensicher zu sein, sehr langsam in den Entscheidungen. Wir uns wahnsinnig schwer tun, generell Entscheidungen zu treffen. Und wenn wir mal neun oder zehn Monate verstreichen lassen, um eine Entscheidung über den Status Quo von heute zu reden, dann ist die Technologie schon eine ganz andere. Und das heißt, wir müssen alle gucken, dass wir in unseren Unternehmen stellere Strukturen schaffen und natürlich, ich hasse das Wort digital, digital war vor 20 Jahren, aber bessere digitale Strukturen, so leid es mir tut.
Ulrich Irnich:[18:30] Ja, und wenn eins klar ist, deswegen würde ich ja gerne nochmal ein Echo drauf senden, es ist jetzt, Unternehmen brauchen in dem Zeitdaten, wo wir sind, Entscheidungsdominanz. Und Entscheidungsdominanz kriege ich nur hin mit vielen Daten und die gut aufbereitet und digitalen Agenten. Ja, so und ob ich das will oder nicht, es gibt genug Potenzial mittlerweile, wo kleine Unternehmen große Spieler relativ schnell aushebeln können, weil wenn dir jetzt heute ein Unternehmen gründet ist, Gordian, denk mal drüber nach, brauchst du noch 400 Leute? Wahrscheinlich nicht, weil das könntest du eigentlich, wenn du es mit digitalem Labor hinstellst, wahrscheinlich mit weniger und viel effektiver. Also, ich meine, natürlich haben wir eine soziale Verantwortung, überhaupt keine Frage, das meine ich jetzt nicht damit, aber natürlich.
Gordian Braun:[19:17] Wenn du das mal anfängst,
Ulrich Irnich:[19:19] Neu zu denken, dann ist die Markteintrittsbarriere für Unternehmen, die relativ schnell in solche Dinge investieren, gering.
Gordian Braun:[19:27] Absolut. Also wenn du dir 11labs anguckst, wir sind ein globales Unternehmen mit gerade so 400 Mitarbeitern. Und du musst dir vorstellen, mit diesen 400 Mitarbeitern sind 75% aller Fortune 500 Unternehmen unsere Kunden. Das wäre vor wenigen Jahren unmöglich gewesen.
Ulrich Irnich:[19:45] So und genauso, wenn du jetzt in andere Länder reingehen willst, ist halt einfach mal das aufzubereiten, schon vorzubereiten, eine Maschine laufen zu lassen, ist alles nicht mehr das große Problem.
Markus Kuckertz:[19:58] Lass uns auch da vielleicht nochmal eine Ebene tiefer reinschauen. Gordon, du bist bei Elevenlips, das ist ja ein europäisches Unternehmen, aber es steht ja trotzdem an der Spitze. Was macht ihr denn anders als andere europäische Tech-Unternehmen und was können vielleicht andere daraus lernen?
Gordian Braun:[20:15] Also ich glaube erstmal, wir haben diesen Pragmatismus und eben habe ich gesagt, die Amerikaner sind so gut drin, Marketing zu machen. Und ich glaube, das beste Unternehmen Europas ist das Unternehmen, was es schafft, sehr gutes Marketing zu machen, aber auf der anderen Seite auch eine krasse Substanz zu haben. Und wir Europäer, wir waren schon immer gut darin, gute Substanz zu haben. Wir haben sie immer nur schlecht vermarktet oder sind irgendwo in den bürokratischen Strukturen damit untergegangen. Und das macht, glaube ich, Elevenlabs verdammt richtig. Wir schaffen es, wahnsinnig gute Substanz zu haben. Also unsere Language Models sind mit Abstand die besten, die es so gibt in der Welt. Aber wir sind schnell und pragmatisch und vermarkten uns auch oft wie Amerikaner, nämlich nach mir Vollgas.
Markus Kuckertz:[21:00] Willi, wenn du das nochmal spiegelst, du bist ja gerade für ein amerikanisches Unternehmen unterwegs, Salesforce, was aber natürlich irgendwie auch als multinationales Unternehmen wahrscheinlich mittlerweile sieht bei der Größe, die es nochmal angenommen hat. Und ich meine, du triffst ja auch regelmäßig viele C-Level aus europäischen Konzernen und die haben ja irgendwie eine Realität da stehen und die sieht ja nur nicht so aus, dass da irgendwie heute schon tausende von Agenten für ein Apollon-Ei irgendwie die Arbeit erledigen, sondern die haben riesen Workforces, von denen sie sich auf gar keinen Fall von heute auf morgen trennen können, weil da eben auch eine Menge Wertschöpfung stattfindet, aber auch soziale Verantwortung. Wie gehst du da mit dem Thema um? Also die werden sich sicherlich nicht von Marketing beeindrucken lassen, sondern das ist ja eine lange Reise, auf die sie sich da begeben und wir wissen ja auch noch nicht, wie sich das technologisch eben entwickelt. Das heißt, man braucht ja eine gewisse Flexibilität. Was würdest du sagen, was macht Salesforce denn da anders?
Ulrich Irnich:[21:52] Also, ich glaube, wir haben ein kleines Kochrezept gerade für Executive geschrieben, wie wir halt in dieser Phase, in der wir uns gerade befinden, logischerweise vorgehen können. Das Erste ist, du brauchst als C-Level, das ist halt wichtig.
Ulrich Irnich:[22:06] Du brauchst eine klare Vision, was deine KI-Strategie angeht. Und das heißt nicht, hier ist eine Business-Strategie und hier ist eine KI-Strategie, sondern die muss unisono verbunden sein, so wie Eleven Labs das auch macht. Und das gilt auch genauso für Salesforce. Das geben halt auch unseren Kunden weiter. Das zweite Ding ist, du brauchst eine Architektur, die agentic-ready ist. Also du kannst nicht oben agentic draufbauen und hoffen, dass unten dein Mainframe-Keller mithüpft auf dieser Geschwindigkeit. Du brauchst halt zum einen eine Enterprise-Grade Data Readiness, das heißt, du musst die Daten aus all deinen Töpfen rausziehen und verfügbar machen. Du brauchst APIs, damit die Agenten, damit sie irgendwas tun können, halt auch aktiv werden können, das heißt, auf deine Applikationen zuwarten können und du brauchst eine Orchestrierung, weil du wirst nie in einem singulären Agentumfeld sein. Also das heißt, du wirst Anthropic haben, du wirst OpenAI haben, du wirst Microsoft haben, du wirst Salesforce haben, du wirst SAP haben, du wirst whatever. Ja, weil jedes Enterprise halt verschiedene Lösungen hat und die halt möglicherweise einsetzt. Und das musst du halt orchestrieren können. Also deswegen ist die Architektur relevant. Und dann sage ich immer nur Demo, Demo, Demo, Demo, Demo, Demo. Seeing is Believing, ja, und du suchst dir den ersten großen Value Case für dein Unternehmen aus und den gehst du an, und zwar Ende zu Ende.
Ulrich Irnich:[23:29] Ja, und dann merkst du halt schon, dass du verschiedene Player aus verschiedenen Bereichen brauchst, du gehst halt mit denen gemeinsam an und dann lernt diese verschiedenen Bereiche darüber und AI First heißt.
Ulrich Irnich:[23:41] Du augmentierst jede Rolle, die da ist und jedes Team und jeden Prozess komplett mit Agenten und eigentlich schiebst dich damit logischerweise, ähnlich wie Gordian das eben gesagt hat, auf den Prozess und nicht in den Prozess, sondern du nutzt quasi. Und jetzt musst du halt überlegen, wenn Dinge autonom laufen, dann greifst du da nicht rein, sondern lässt die Dinge laufen. Du brauchst halt nur Eskalation in den Momenten, wo du reingreifen musst. Und das ist natürlich schon nochmal ein gewisses Adaptionslevel, also gerade was umladen heißt, das kriegst du aber nur raus, wenn du es ausprobierst und immer wieder adaptierst. Und wie man jetzt sagt, ich sage, ihr werdet in Zukunft alle Unternehmen, wenn 50% ihrer Verhandlungen mit Kunden werden Agenten für Kunden machen und nicht mehr die Kunden selber. Also das wird früher oder später eh passieren. Und dafür musst du vorbereitet sein.
Gordian Braun:[24:35] Ja und vielleicht daran anzuschließen, ich glaube, wenn du das als Unternehmen
Gordian Braun:[24:39] nicht hinbekommst, dich dafür vorzubereiten, dann werden andere Unternehmen kommen. Es wird vielleicht nicht mit der deutschen Unternehmensstruktur, aber mit anderen Unternehmensstrukturen wird es Player geben, die innerhalb von Monaten da sein können, wo heutzutage lang eingesessene Unternehmen sind und wenn du dann nicht, dann wirst du nicht mehr mithalten können.
Markus Kuckertz:[24:57] Also auf jeden Fall starke Vision, die auch von Salesforce da kommt und die sicherlich die ein oder andere Emotion natürlich auch der Rasanz und der Dynamik hervorruft. Und Gordian, was würdest du denn sagen, wenn du mal jetzt so fünf Jahre vorausschaust, ich weiß, das ist ein unglaublich langer Zeitraum, wahrscheinlich sind fünf Monate, wahrscheinlich momentan eigentlich schon auch sehr lang. Was würdest du denn sagen, wo dann Europa im Bereich KI steht und naja, vielleicht auch nochmal auf Deutschland bezogen, welche Rolle kann denn unser Kontinent realistisch spielen, wenn wir davon ausgehen, dass jetzt die richtigen Weichen gestellt werden?
Gordian Braun:[25:34] Also ich glaube erstmal, wo glaube ich, wo Europa KI-technisch steht? Nirgendwo in fünf Jahren. Ich glaube, wir werden einfach nur der Follower sein, der an europäische und asiatische Produkte sich andocken wird, was vielleicht auch fein ist, vielleicht will man das gar nicht. Wo könnte Europa stehen? Ich glaube, wenn wir die richtigen Weichen stellen würden, und das wäre ein kulturelles Mindset, mehr tun, weniger reden, schnellere Prozesse, schnellere Unternehmensgründungen, Förderung, Wagniskapital für wirkliche Risiko-Investments und nicht für Investments, die eh schon Umsatz haben, weil was eh schon Umsatz hat, ist meistens kein tolles Business-Modell. Also wenn wir diese, da kann ich noch drei Stunden weiter drüber reden, aber wenn wir alle Weichen, die in meinem Kopf so sind, stellen würden, dann könnten wir natürlich Marktführerschaft haben, auch weltweit. Ich habe eine große Zweifel, dass wir das so, wie wir momentan kulturell,
Gordian Braun:[26:24] aber auch taktisch und faktisch eingestellt sind, dass wir das hinbekommen würden.
Markus Kuckertz:[26:29] Ich danke euch beiden. Und wie immer an dieser Stelle schauen wir uns an, was nehmen wir eigentlich aus der Folge mit, lieber Uli? Möchtest du starten?
Ulrich Irnich:[26:35] Also grundsätzlich Nummer eins, ich glaube, das ist auch sehr deutlich in den Block eins rübergekommen. Voice is the new interface. Und das ist nicht the new interface, sondern das humane Interface, was wir von Hause aus können. Ja, und das wird sehr stark in die Richtung gehen und wenn ich jetzt mal mein Unternehmen so ein bisschen schon mal auf Future Readiness checken möchte, wo ich im ersten Mal anfangen kann, wo kann ich überhaupt schon mit Voice kommunizieren und wo kann ich da, du hast eben Klarna gesagt, Gordian, das ist das erste Unternehmen, was ein menschenleeres Callcenter hat. Da gibt es keine Menschen mehr im Callcenter und das betreibt. Und ich meine, jetzt kann jeder sagen, boah, Callcenter, jetzt haben wir die nächste Apokalypse. Darum geht es ja nicht. Es geht ja darum, dass Kundenservice gut getrieben wird. Und es gibt genug komplexe Prozesse innerhalb des Unternehmens, wo Servicemitarbeiter helfen können, dieses Erlebnis zu schaffen. Aber ich sage mal, das ist für mich Takeaway Nummer eins. Voice, the new interface. Thema Nummer zwei ist.
Gordian Braun:[27:39] Machen, Leute, machen.
Ulrich Irnich:[27:41] Wir werden nicht schlauer, wenn wir gucken oder nochmal weiter diskutieren, sondern machen. Das ist für mich so, gerade das Thema Gründen in Deutschland, das haben wir ja beide schmerzhaft erlebt, Markus, das braucht einen neuen Ansatz. Andere europäische Länder in unserer Nachbarschaft, da hast du alles auf deinem Handy und auch Gründen geht da innerhalb von einem Tag. Also warum geht das hier nicht? Das muss einfach entschlackt werden und gemacht werden. Weil ich glaube, wir haben verdammt viele schlaue Köpfe. Wir haben ziemlich gute Menschen. Wir haben auch ziemlich viele gute Patente und auch gute Startideen. Bei uns fährt es ein bisschen an der Skalierung. Und da braucht es halt Mut, auch von Politik und Rahmenbedingungen. Nun, dass dieser Mut belohnt wird und nicht quasi, dass dann das Thema exportiert wird und irgendwo anders groß gemacht wird. Haben wir jetzt ein paar Mal erlebt.
Ulrich Irnich:[28:33] So, das dritte Thema ist KI, ist kein Tool, ist kein Selbstzweck, das ist Mindestbestandteil und Kern einer jeden Unternehmerschaft nach vorne raus. Wer da nicht gut vorbereitet ist, wird in, jetzt nehme ich mal deinen Slogan, Gordian, in fünf Jahren nicht mehr im Markt sein. Die werden einfach rausgedrängt. Das ist ziemlich einfach. Wir haben ein paar ganz gute Schlüsseltechniken, das würde ich nochmal ergänzen wollen. Auf Quantum haben wir echt gute Leute. Da würde ich mir halt hoffen, dass solche Schlüsseltechnologien halt viel stärker gefördert werden und geschoben werden, damit Europa halt auch ein paar Anker hat, die uns unterscheiden.
Markus Kuckertz:[29:14] Gordian, was ist dir noch wichtig?
Gordian Braun:[29:16] Ich finde, alle drei Punkte bringen es auf den Punkt. Aber was mir vielleicht wichtig ist, nach außen zu tragen, ist, wir sind als Gesellschaft einfach wahnsinnig bequem geworden. Und das ist das Machen, was Uli anspricht. Es ist was ganz anderes, ob man eine Idee hat. Und ich gehe oft in Gespräche, in Konversationen, wo Leute sagen, oh, die Idee hatte ich auch schon mal. Oder ich erzähle dir nicht, was ich so im Kopf habe, weil du könntest mir ja klauen oder sowas. Lasst mich euch eines alles sagen. Eine Idee hat jeder. Und Gedanken hat jeder. Und eine Meinung hat auch jeder. Aber die Meinung umzusetzen und mal was zu machen, das ist das, was wir brauchen. In Deutschland besonders, aber insgesamt in Europa. Und wenn wir mehr von den Leuten bekommen, die einfach mal machen, ich glaube, dann wäre uns schon sehr viel geholfen.
Markus Kuckertz:[30:03] Lieber Gordian, vielen, vielen Dank, dass du heute bei uns zu Gast warst. Vielen Dank
Gordian Braun:[30:06] Für deine Zeit
Markus Kuckertz:[30:07] Und deine Erfahrung, die du hier eingebracht hast.
Gordian Braun:[30:09] Ich danke euch auch, Markus und Dodi.
Markus Kuckertz:[30:11] Das war der Digital Pacemaker Podcast mit Gordian Braun. Von Elevenlabs. Folgt uns jetzt auf der Podcast-Plattform auch einmal und vermasst keine unserer Folgen. Viel Spaß und bis bald. Euer Uli und Markus.
Ulrich Irnich:[30:22] Rock’n’Roll.


